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 Try, or she will leave you! 

Spam

Ich habe heute Post bekommen. Keine beliebige Post, sondern einen gut gemeinten Rat aus der Bildungselite. Frau Prof. Elna Tollner hat nicht nur einen tollen Namen, sondern sorgt sich rührend um das Wohl wildfremder Menschen. Folgenden schlauen Hinweis möchte ich Euch daher nicht vorenthalten:

Hi Thomas,
New years time, family time. Most guys use this period to spend  time to theyr girl. But what , if you can’t get him standing?

Girls will not tollerate this for a longer time of years. It will result in a lost of your marriage. Fix it, before she starts cheating you: http://…

Sincerly yours,
PROF.ELNA TOLLNER

Ich glaube Prof. Tollner, und finde ihren Einsatz mehr als lobenswert. Man stelle sich nur mal vor, welche Mühe die Frau auf sich nimmt, unzähligen Männern zu schreiben um ihre Ehen zu retten. Oder gar vorausschauend anzuschreiben, damit eine Ehe noch vor Beginn zur Unerschütterlichkeit gelangt.
Auch Ihr solltet auf Elna hören! (Bei so viel Nächstenliebe darf man sie beim Vornamen nennen.)
Welchen Grund hätte die gute Frau schon, zu lügen?!

Sollte meine zukünftige Ehe jedenfalls jemals auf dem Spiel stehen, werde ich mit Freuden ganze Säcke bunter Pillen in den Schlund stürzen. Und wo ich schon dabei bin, kann ich mich auch endlich mal um den afrikanischen Prinzen kümmern, der mir in regelmäßigen Abständen Geld schicken möchte. Es wird schließlich Zeit, endlich mal Nettigkeiten zurückzugeben.

 Kleines Donnerstagswunder 


Thomas fühlt sich verklebt. Für einen Donnerstag im Büro ist ihm die Sonne entschieden zu weit auf den Pelz gerückt. Trotz geöffnetem Fenster neigt sich sein Sauerstoffvorrat dem Ende. Er versucht, nicht in Panik zu geraten. “So schlimm ist das gar nicht mit der fehlenden Atemluft. Und überhaupt ist Lungenfunktion total überbewertet!” Der schnaufende Thomas sollte sich beruhigen. Er beschließt, sich an einen Strand zu träumen. “Das hilft bestimmt.”, denkt er und schließt die verkrusteten Äuglein.

Nach Sekunden der Ladezeit befindet er sich bereits mitten in seiner Urlaubs-Fantasie. Alles stimmt. Das Meer, die Temperatur, milder Wind, gepflegte Nudistinnen beim Planschen, hawaiianische Gitarren und er mitten drin. Im Wasser treibend greift er nach seiner schwimmenden Kühlbox. Er greift ins Leere. Thomas kneift die Augen fester zusammen. Ein zweiter Griff. Wieder nix. “Kacke, hier fehlt was!”, stellt er fest. Ihm fehlt eine köstliche Flasche seines koffeinhaltigen Erfrischungsgetränks auf Mate-Basis. Ohne sie bekommt er den Strand nicht in seinen Kopf. Ohne sie wollen die Nudistinnen einfach nicht nackt sein.

Da bedarf es keiner weiteren Überlegung. Zurück in der angezogenen Realität schwingt er seinen trägen Arsch zum nächsten Supermarkt. Dort nimmt er ohne Umwege die direkte Route zum Getränkereich. Er will sich beeilen, denn das Getränk muss schnell im Kühlschrank auf Traumzustand gekühlt werden. “Rein, kaufen, raus. Rein, kaufen, raus.”, wiederholt er innerlich brummend. “Rein, kaufen, raus.” Buddhistischer Singsang. “Rein, kaufen, hää?!”

Vor ihm klafft ein unbefülltes Regal. Vom Getränk der Begierde keine Spur. Hektisch schaut er sich um. Er bemerkt sofort die vielen Getränkekisten, welche sich ungeordnet in der Gegend auftürmen. Mit detektivischer Kombinationsgabe ist ihm sofort klar, dass heute eine neue Getränke-
lieferung eingetroffen sein muss. Es besteht noch Hoffnung! Er muss nur ins Lager einbrechen, den Wachmann kalt stellen, Alarm und Kamera deaktivieren, den Totenkopfschlüssel ergattern, über die Schlucht des sichelförmigen Mondes und rein ins Flaschenparadies.

“Albern!”, denkt er und fragt lieber die freundliche Angestellte. Sie entgegnet, er solle mal im Lager fragen, geht dann aber doch selbst. Thomas folgt artig wie ein Schatten. Sie verschwindet im Sperrbereich. Thomas wartet brav. Sekunden später erscheint sie mit hängenden Mundwinkeln. “Kommt leider erst morgen!”, zerschmettert es Thomas’ Sommermärchen. Er geht zu Boden. Nicht sichtbar, sondern in seinem Kopf. Was sollen nur die Nudistinnen ohne ihn tun? Ernüchtert möchte er seine letzte Reise in den staubigen Tod antreten, als die freundliche Angestellte aus der Ferne ruft: “Warten se mal, junger Mann!”

Thomas wartet und die gute Frau erscheint mit einer Flasche in der Hand. “Ich hab hier noch eine jefunden. Die hatte sich wohl versteckt!” Thomas entdeckt den heiligen Gral. Er glitzert im künstlichen Tageslicht der Supermarkt-Beleuchtung, formschön, mit vertrautem Etikett. Unzählige Wasserperlen erzählen von der bevorstehenden Erfrischung. Das Getränk ist bereits auf Optimum temperiert. Wie ein gieriges Äffchen greift der Abenteurer nach seiner Flasche, und die freundliche Angestellte schmunzelt. Schnell zur Kasse und dann rein in die perfekte Fantasie! Thomas muss sich sputen, denn die Nudistinnen haben noch Termine. Bei diesem Wetter wollen sie in vielen Köpfen auftauchen.

 Begegnung mit einem Zeitreisenden 

Flux Kompensator

Nichtsahnend sitze ich vor meiner Arbeit, als sich plötzlich die Tür zu unserer Agentur öffnet. Herein kommt (ganz ohne Licht und atmosphärischen Nebel) der Augenblick, auf den ich mein Leben lang wartete. Ein glatzköpfiger Mann betritt die Bühne. Er erscheint wirr und schrecklich in Eile. Mit gebrochenem Deutsch murmelt er: “Datum…welches Datum? Bitte aufschreiben…auf Zettel!”
Ich tue ihm den Gefallen, denn die Tragweite der Situation offenbart sich mir. Kaum habe ich begriffen, schon ist er wieder fort. Es war die folgenschwere erste Begegnung mit einem Zeitreisenden!

Zu oft sah ich es schon in Filmen:
Ein Mann fragt panisch: “Welcher Tag ist heute?”
Ein anderer antwortet: “Donnerstag.”
Und der eine darauf wieder um so panischer: “Nein, welches JAHR?!”

Genau das ist passiert. Ich war der andere. Natürlich muss es sich um eine Zeitreise gehandelt haben! Allein schon die Hektik lässt darauf schließen. Drei weitere Fakten untermauern die Tatsache.

1. Er sprach nur gebrochenes Deutsch: Natürlich! Schließlich degeneriert die deutsche Sprache zusehends.

2. Sein Haar war licht: Selbstverständlich! Die Evolution belegt, den Haarverlust der Gattung Homo sapiens.

3. Die Gesichtsfarbe wirkte südländisch: Logisch! Klimatische Veränderungen in der Zukunft führen mittelfristig zur Anpassung der Pigmentierung.

Wie Ihr seht, könnte meine Argumentation kaum nachvollziehbarer sein. Ich traf einen Zeitreisenden, und daran ist nicht zu rütteln. Zweifler mögen vom gleißenden Licht der Todesstrahlen getroffen werden. Ich gehe derweil nach draußen und halte Ausschau nach De Loreans und britischen Polizei-Telefonboxen.