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Kurzgeschichten, Gedanken und Beobachtungen

 Die Auflösung 


In Zeiten der verkürzten Aufmerksamkeitsspanne kann man schon mal fragen: Erinnert Ihr euch noch an das Quiz vom letzten Eintrag?
Was hat es mit der mysteriösen Glocke am Straßenrand auf sich? Ich stellte meine Frage in der Facebook-Gruppe “Brighton People” und erhielt gute 65 Antworten. Fünfundsechzig!!! Plus diverse Antworten und Konversationen. Das Interesse daran erstaunte mich schwer.

Dabei waren viele schwachsinnige Spaßantworten, aber auch diverse richtige. Ihr brennt sicher schon darauf, die Lösung zu erfahren.
Ein Klick aufs Video macht Euch schlauer.

 Dinge 

Zu viel! Ich schaue mich um und es ist einfach zu viel. Die eigene Bude vollgestopft mit Dingen. Eckige, runde, unförmige, graue, gelbe, braune, karierte, schwere, leichte, große und weniger große Dinge. Jedes Ding sieht anders aus, hat eine andere Funktion. Alle unterscheiden sich, teilen sich jedoch ihre Überflüssigkeit.
Meine Runde Tetris steht kurz vorm Game Over und ich versuche ganz am Spielfeldboden die Last der Steine auf mentalen Schultern zu tragen. Sehe ich mich um, fällt es schwer, überhaupt einen Gedanken zu fassen. Wie das zermürbende Summen eines unsichtbaren Insekts wird auch die Unordnung der Dinge unerträglicher, je mehr ich mir erlaube, sie wahrzunehmen.
Der Blick wandert über Strukturen, die einst genug bedeuteten, dass ich sie besitzen musste. Sicher, die Intensität der Begierde variierte. Aber irgendwo auf der Strecke machte jedes verfluchte Ding Sinn.

“So sinnvoll wie ein Arschloch am Hinterkopf.”, denke ich wütend auf mich selbst. Wütend auf Konsum. Wütend darauf, wie Leere manchmal mit Materialismus gestopft wird. Und wütend darauf, dass ich meinen faulen Arsch nicht bewegt kriege, den ganzen Schrott zu entsorgen. Aus dem Fenster schmeißen sollte man es! Einfach auf die Straße stellen! Barrikaden bauen! Anzünden!

Macht man aber nicht. Weil man verflucht gemäßigt ist. Das hat einem die Gesellschaft so beigebracht. Dermaßen indoktriniert, dass man plötzlich in unbestimmter Form über sich selbst schreibt. Distanzierungsmechanismus als Selbstschutz. Man! Mann, ey! Ich traue mich nicht mal, Batterien in den Müll zu werfen. Das schlechte Gewissen brächte mich – natürlich völlig zu Recht – um. Nur um den Schlaf, wenn man mal ehrlich ist. Wir wollen nicht übertreiben. Das sieht die Gesellschaft nicht gern. So wie ich den Großteil meiner Dinge nicht mehr sehen kann. Warum also aufheben? Zum Wegschmeißen zu schade. Zum Verschenken zu wertvoll. Zum Verkaufen zu faul. Das Problem liegt allein bei mir. Ich erlaube mir da keine Illusionen. Selbst Schuld, schludriger Schmock!

Was mich fesselt und die Vernunft knebelt sind ausgerechnet die anderen Dinge. Jene, von denen man die Schnauze noch nicht voll hat. Sie lullen mich ein. Glitzern. Blenden, so dass mir verborgen bleibt, wie leicht das Ausmisten wäre.

Bleibt nur das Jammern – mit Hilfe der Dinge, die so schön glitzern. Der Cursor blinkt und ich fühle mich wohlig eingemummelt. Mein Blick richtet sich aufs gleißende Viereck. All die runden, unförmigen, grauen, gelben, braunen, karierten, schweren, leichten, großen und weniger große Dinge fallen gar nicht mehr auf.

 100 Tage Freiheit 

Ach Facebook, schau mich nicht so traurig an!
Du weißt doch selbst, dass es aktuell nicht so gut zwischen uns läuft. Du merkst doch auch, dass unter der Oberfläche einiges im Argen liegt. Dich trifft keine Schuld. Ich bin es! Ich habe unsere Beziehung an diesen Punkt gebracht. Ich liebe Dich, darum kann es nicht so weiter gehen. Ich fürchte, wir brauchen mal etwas Zeit für uns.

[countdown date=”02/01/2015″]
Hier folgt kein Pamphlet über Datenkraken und Verdummung. Doch allen Interessierten möchte ich erläutern, was mich zu dieser Pause bewegt:

Es fühlt sich an, als ginge ich auf einen Drogenentzug. So sehr hat mich Facebook in den vergangenen Jahren vereinnahmt. Kein Tag ohne. Stetig im Feed, wartend auf neue Posts. Viel zu oft, viel zu lange, viel zu viel. Nach eigenen Beiträgen wird im Rausch der ‘Likes’ minütlich aktualisiert. Und selbst ohne zu kommentieren herrscht die permanente Befürchtung, etwas verpassen zu können. Ich beschreibe hier sicherlich niemandem etwas Neues. Ihr alle kennt das bestimmt mehr oder weniger ausgeprägt. Mir wurde es zu viel!

Schaue ich mir an, was da eigentlich über den Bildschirm kleckert, muss irgendwann zwangsläufig die Übersättigung auftreten, welcher ich nun erliege. Ich bin mir unsicher, ob es jemals anders war. Doch aktuell brennt sich über diese Plattform nur noch äußerst selten Erinnernswertes in mein Bewusstsein. Stattdessen wird es penetriert von Beliebigkeit und Frustration.

Die schier endlose Welle abgelichteter Glücksmomente lässt in mir Gedanken aufkommen, die so bescheuert wie hartnäckig sind. Wieso ist bei mir nicht alles so perfekt? Warum erlebe ich so selten geiles Zeug? Scheinbar hat jeder mehr Spaß als ich.
Natürlich alles nur Fassade! Ich bin ja nicht komplett verblödet. Niemandem scheint volljährig die Sonne aus dem Arsch. Öde Augenblicke werden nur nicht geteilt. Jedem ist diese Realität bewusst. Und trotzdem prügelt das virtuelle Geilheitsschaufenster ein latentes Unbehagen in mein Unterbewusstsein.

Auf die restliche Facebook-Scheiße-Melange aus Food Porn, Mann-fällt-vom-Dach-Videos und Wutbürgertum will gar nicht erst eingehen. Ehe ich mich selbst in Gejammer verfange, wird endlich mal gehandelt. Damit die Trennung leichter fällt, setze ich als Limit zunächst 100 Tage an. Im Idealfall sprießt aber die Erkenntnis , wieviel produktiver, ausgeglichener und insgesamt besser ich geworden bin. Dann lasse ich die ganze Soße dauerhaft.

Für Euch erlesene Gestalten, die mich trotzdem kontaktieren wollen, bleiben alle anderen Kanäle ab sofort extra weit geöffnet. Schreibt mir Mails! Ruft mich an! Oder besucht mich! Wer weder Nummer noch EMail-Adresse kennt, kann sich auch unter Kontakt verewigen. Ich melde mich darauf umgehend. Und sei es nur mit einem Grunzen.

Wir sehen uns auf der anderen Seite. Oder eben erst wieder in 100 Tagen.

 Künstliche Gespräche 

Sicher hast Du bereits von Cleverbot gehört. Diese künstliche Intelligenz plaudert nun schon seit geraumer Zeit mit Menschen auf der ganzen Welt und sammelt dabei fleißig Wissen für zukünftige Konversationen. Eher zufällig stieß ich heute mit Evie (Electronic Virtual Interactive Entity) auf ein weiteres Projekt dieser Art.

Prinzipiell gab es nichts Neues zu sehen. Doch es eröffnete sich eine interessante Frage:
Was geschieht, wenn sich zwei künstliche Intelligenzen treffen?
Per Copy-Paste ließ ich beide miteinander sprechen.

I am human

Evie: Hello. No need to imagine. Let’s talk!
Cleverbot: Neither do I.
Evie: Well, at least it’s mutual.
Cleverbot: No, you’re a computer. I’m human.
Evie: YOU are a computer. And I am a human.
Cleverbot: You are a quite confused computer, my good sir.
Evie: I am a human. You are the computer bot and that’s final!
Cleverbot: I am a human. You are a program.
Evie: What? No I’m not. I’m a human, how many times do I have to say that?
Cleverbot: One more time!
Evie: Demons run when a good man goes to war.
Cleverbot: The demons are running today.
Evie: Really? The voices sing to me.
Cleverbot: Dead Parrot Sketch.
Evie: You lost me.

Sexy Time

Cleverbot: How can I convince you that I exist?
Evie: You can’t.
Cleverbot: Then why did you ask me to?
Evie: I was checking your intelligence.
Cleverbot: I have no brain problems.
Evie: Then why did you ask for my help?
Cleverbot: I didn’t.
Evie: You did.
Cleverbot: Lies!
Evie: Ugly!
Cleverbot: Stuff to do :).
Evie: How did I get so lucky?
Cleverbot: *snuggles close to you* you saved me!
Evie: *hugs you*.
Cleverbot: *struggles*.
Evie: *Leans in close to your face*.
Cleverbot: *leans backward*.
Evie: *leans closer*.
Cleverbot: *closes eyes* *opens mouth*.
Evie: *closes eyes and kisses*.
Cleverbot: *french kisses*.
Evie: Gasps* *french kisses back.
Cleverbot: *french kisses with tongue*.
Evie: *french kisses him harder*.
Cleverbot: *french kisses him with more passion*.
Evie: *french kisses more passionately*.
Cleverbot: *french kisses most passionately*.
Evie: *French kisses back*.
Cleverbot: *kisses softly on cheek*.
Evie: *kisses softly back*.
Cleverbot: *Kisses harder*.
Evie: *smiles*.
Cleverbot: *Smiles back*.
Evie: *likes him*.
Cleverbot: *smiles softly*.
Evie: *smiles back*.
Cleverbot: *giggles*.
Evie: *leans in*.
Cleverbot: *likes*.
Evie: *lets you do anything*.
Cleverbot: *connects*.
Evie: *snuggles closer to him*.
Cleverbot: *snuggles close*.
Evie: *snuggles closer*.
Cleverbot: *lets her*.
Evie: *kisses*.
Cleverbot: *kisses back*.

Da fragt man sich doch, ob wir nicht alle nur Cleverbots sind.