100 Tage Freiheit 

Ach Facebook, schau mich nicht so traurig an!
Du weißt doch selbst, dass es aktuell nicht so gut zwischen uns läuft. Du merkst doch auch, dass unter der Oberfläche einiges im Argen liegt. Dich trifft keine Schuld. Ich bin es! Ich habe unsere Beziehung an diesen Punkt gebracht. Ich liebe Dich, darum kann es nicht so weiter gehen. Ich fürchte, wir brauchen mal etwas Zeit für uns.

[countdown date=”02/01/2015″]
Hier folgt kein Pamphlet über Datenkraken und Verdummung. Doch allen Interessierten möchte ich erläutern, was mich zu dieser Pause bewegt:

Es fühlt sich an, als ginge ich auf einen Drogenentzug. So sehr hat mich Facebook in den vergangenen Jahren vereinnahmt. Kein Tag ohne. Stetig im Feed, wartend auf neue Posts. Viel zu oft, viel zu lange, viel zu viel. Nach eigenen Beiträgen wird im Rausch der ‘Likes’ minütlich aktualisiert. Und selbst ohne zu kommentieren herrscht die permanente Befürchtung, etwas verpassen zu können. Ich beschreibe hier sicherlich niemandem etwas Neues. Ihr alle kennt das bestimmt mehr oder weniger ausgeprägt. Mir wurde es zu viel!

Schaue ich mir an, was da eigentlich über den Bildschirm kleckert, muss irgendwann zwangsläufig die Übersättigung auftreten, welcher ich nun erliege. Ich bin mir unsicher, ob es jemals anders war. Doch aktuell brennt sich über diese Plattform nur noch äußerst selten Erinnernswertes in mein Bewusstsein. Stattdessen wird es penetriert von Beliebigkeit und Frustration.

Die schier endlose Welle abgelichteter Glücksmomente lässt in mir Gedanken aufkommen, die so bescheuert wie hartnäckig sind. Wieso ist bei mir nicht alles so perfekt? Warum erlebe ich so selten geiles Zeug? Scheinbar hat jeder mehr Spaß als ich.
Natürlich alles nur Fassade! Ich bin ja nicht komplett verblödet. Niemandem scheint volljährig die Sonne aus dem Arsch. Öde Augenblicke werden nur nicht geteilt. Jedem ist diese Realität bewusst. Und trotzdem prügelt das virtuelle Geilheitsschaufenster ein latentes Unbehagen in mein Unterbewusstsein.

Auf die restliche Facebook-Scheiße-Melange aus Food Porn, Mann-fällt-vom-Dach-Videos und Wutbürgertum will gar nicht erst eingehen. Ehe ich mich selbst in Gejammer verfange, wird endlich mal gehandelt. Damit die Trennung leichter fällt, setze ich als Limit zunächst 100 Tage an. Im Idealfall sprießt aber die Erkenntnis , wieviel produktiver, ausgeglichener und insgesamt besser ich geworden bin. Dann lasse ich die ganze Soße dauerhaft.

Für Euch erlesene Gestalten, die mich trotzdem kontaktieren wollen, bleiben alle anderen Kanäle ab sofort extra weit geöffnet. Schreibt mir Mails! Ruft mich an! Oder besucht mich! Wer weder Nummer noch EMail-Adresse kennt, kann sich auch unter Kontakt verewigen. Ich melde mich darauf umgehend. Und sei es nur mit einem Grunzen.

Wir sehen uns auf der anderen Seite. Oder eben erst wieder in 100 Tagen.

2 Gedanken zu “100 Tage Freiheit

  1. Christian B. aus M.

    Super Sache, finde ich. Dann kannst du mit der Lucy nämlich gleich etwas länger vorbeikommen.

Gib hier reichlich Senf dazu!

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