Experiment des Grauens 

00:00 Uhr
Nach einem aufgeweckten Tag der Kräfteschonung beginne ich mein Experiment, 24 Stunden lang zu jeder vollen Stunde meine aktuelle Tätigkeit zu notieren. Damit verbunden ist natürlich das Wachbleiben, was nach zwölf Stunden, die schon ohne Zählung abgesessen wurden, schwierig werden könnte. Ich bin gespannt, welche Auswirkungen der Schlafentzug aufs Schreiben haben wird. Ich ziehe mir jetzt Sachen an und verlasse die Behausung für Nahrung und Bier.

01:00 Uhr
Von der Bushaltestelle gegenüber glotzt mich ein Körperwelten-Gesicht an. (Das nur am Rande.)
Stift versagt…Mist!
Fühle mich nach Bier und Haloumi wieder richtig wach. Das Experiment kann von mir aus beginnen. Dabei fragte ich mich echt noch nach dem Sinn der Geschichte, als ich das Haus verließ. Zu verlockend schien das warme Bett.
Kleiner Nachtrag: Ich habe in einem Späti einen neuen Kugelschreiber ergaunern können. Ob die SPD weiß, dass ihre Kulis unterm Ladentisch für 50 Cent verschachert werden?

02:00 Uhr
Kurzer Ritt auf die heimische Ranch. Ich denke, ich werde mir erstmal eine lange Hose anziehen. Draußen sind trotz Wochentag noch unzählige Menschen unterwegs. Mal schaun, ob ich mich irgendwo dazu gesellen kann. Zuerst versuche ich allerdings, meine Kontakte auszuloten, die noch nicht schlafen könnten bzw. noch wach sein könnten. Übrigens warten weitere Biere auf mich. Keine Ahnung, ob ich Nummer 3 und 4 wirklich zu mir nehme. In Voraussicht auf die bevorstehende Späti-Schließung schien mir Vorratskauf eine gute Idee.
Nachtrag: Kontaktlinsen fangen nach 15 Stunden an, unangenehm zu werden.

03:00 Uhr
Irgendwie habe ich das Weggehen doch verpennt. Nur kurz das Nachtprogramm durch zappen, dachte ich mir. Und schon hing ich am Fernseher fest. Outer Limits läuft. Davor habe ich übrigens einen Rekord an der virtuellen Klampfe in die Geschichtsbücher gezimmert. Jetzt heißt es, auf den Sonnenaufgang zu warten. Ein Bäcker ist um 05:32 sicher noch nicht auf. Schade mir schien die Zeit wie ‘ne günstige Frühstücksgelegenheit.

04:00 Uhr
Die Tram ist eine der wenigen Geräuschquellen, die um diese Uhrzeit wahrzunehmen ist. Man mag es kaum glauben, doch selbst eine Stadt wie Berlin scheint mal zu schlafen. Ich habe ehrlich gesagt keinen Plan, womit ich die letzte Stunde verbrachte. Filmchen im Netz, etwas zocken und momentan versuche ich, die erste Folge der 4. Staffel Robot Chicken zum Laufen zu bringen.
Die Kontaktlinsen sind übrigens erstmal raus, nachdem es sich anfühlte, als hätte mir jemand die Augen mit Bauschaum zugekleistert. Ich schätze mal, gegen 06:00 Uhr haue ich sie wieder rein.

05:00 Uhr
langsam wird’s hell draußen. Ich verbrachte meine letzte Stunde mit Surfen, glotzen und Mit-geschlossenen-Augen-auf-dem-Sessel-sitzen, ohne dabei einzuschlafen. Die Aufnahmefähigkeit lässt zu wünschen übrig. Ich glaube deshalb nicht, dass Serien schauen die beste Idee ist. Spätestens in einer Stunde gehe ich raus, um der Sonne beim Aufgehen zuzuschauen. Vielleicht weckt sie neue Energie in mir.

06:00 Uhr
Macht Rausgehen überhaupt Sinn? Es zeigt sich, dass man von Sonne wohl erstmal nicht so viel zu sehen bekommt. Grauer Himmel…ich bekomme Lust auf Schlaf. Zeit für den ersten Kaffee.

Gib hier reichlich Senf dazu!

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