Ich bin Schriftsteller. 

Guck mal, ich hab was geschrieben. Ich bin Künstler, weißt du. Allerdings keiner von diesen blöden Galerie-Affen. Ich bin einer von denen, die sich total zurückhaltend der Welt opfern. Wir schreiben über Dinge, die Menschen gut finden. Nicht so, wie die Schmierfinken mit ihren Bildern von hässlichen viereckigen Köpfen. Wir wissen ganz genau, wo die Augen sitzen und wie viele Finger eine dicke nackte Frau hat. Und welche Farbe eine dicke Nackte Frau nicht hat, wissen wir auch. Ich bin Schriftsteller. Das bedeutet, dass ich als Künstler Schrift in ein Buch stelle. Natürlich bin ich dabei total gut. Darum lesen sich meine Texte auch besser als die Postkarten von Tante Linde.

Wenn ich schreibe, dann ist das total gut! Ich denke mir auch immer so Sachen aus und so. Das können die mit ihren Pinseln schon mal nicht. Darum machen die auch immer nur so Zeug, wo Farben einfach übereinander gekleistert sind und nennen sie dann “Innere Verworrenheit” für zweiundzwanzigtausendundfünf Euro das Stück. Die spinnen doch alle! Die sollen doch lieber meine Texte lesen! Da sind wenigstens Helden drin und Monster. Und die Monster sind total furchterregend! Die können fiese Attacken wie Feuerbälle oder das Finanzamt anrufen. Da bekommt der Held schon mal ordentlich Schiss mit seiner ganzen Kohle, die er noch beim letzten Monsterschlachten kassiert hat. Ich schreibe am liebsten Fantasy-Abenteuer wie “Der Herr der Ringe” oder die Geschichten vom zweiten Weltkrieg.

Den Herrn der Ringe hätte ich übrigens auch ganz anders und viel besser hin bekommen. Ich hätte zum Beispiel den Oberbösen den Vater von dem Hobbit sein lassen. Und der Hobbit hätte auch einen riesigen Affen von einer Totenkopfinsel als Freund. Den würde er dann Sascha nennen und immer streicheln. Und der Affe würde mit einem Maschinengewehr kämpfen. Und die Bösen hätten auch Laser-Waffen!
Der Schreiber von dem Buch könnte noch was von meiner Phantasie lernen. Was mir immer für tolle Einfälle einfallen! Neulich dachte ich mir so, dass es doch total fetzig wäre, wenn in einem Buch ein Hai als Polizist Morde aufklärt, bei denen die Leichen wie Clowns angezogen werden. Das wäre cool, weil Haie eigentlich total böse sind und man vor Clowns auch Angst hat.

Neulich beim Geburtstag von Martin war auch ein Clown. Der hatte total viele Stoppeln im Gesicht und war gar nicht lustig. Immer, wenn Martins Mutter in die Küche gegangen war, hat der Clown aufgehört Späße zu machen und dafür aus seiner geheimen Flasche getrunken. Irgendwann ist er dann auch ganz komisch geworden. Nicht so wie ein Clown. Anders komisch! Dann hat er gesagt, er heißt nicht Bobo, sondern Ditmar. Und er hat auch angefangen zu weinen, weil Frau Bobo ihn wohl verlassen hat. Ob die jetzt mit einem neuen Clown zusammen ist, hat er nicht verraten. Irgendwann ist Bobo, der ja eigentlich Ditmar heißt, ganz plötzlich krank geworden. Er hat gebrochen und den Kuchen konnte dann keiner mehr essen.
Jedenfalls sind die Toten in meinem Buch mit dem Hai-Detektiv Clowns. Am Ende kommt dann raus, dass der Hai-Detektiv eigentlich eine gespaltene Persönlichkeit ist, die immer, wenn sie zum Clown mutiert Menschen umbringt und diese dann mit Kostümen auch zu Clowns macht um sich selbst eine Spur zu geben, wer der Verbrecher ist.

Das wird eine tolle und spannende Geschichte! Die Leute werden dafür dann bestimmt zweiunddreißig Euro ausgeben. Du musst dir mal vorstellen, wieviel das ist, wenn siebzehn oder zwanzig Leute das Buch kaufen. Davon kann ich mir einen Porsche kaufen, oder eine Python, die mich vor Mardern und wilden Kaninchen schützt. Ich möchte mal den Maler sehen, der sich eine Schutzpython leisten kann! Denen werde ich’s zeigen! Die werden schon noch sehen, was sie davon haben, dass sie damals das Bild von dem Spiderman nicht kaufen wollten! Jetzt schreibe ich halt richtig gute Romane. Auf die spannende Erzählung vom Wehr-Clown-Hai-Detektiv musst Du aber noch etwas warten. Ich schreibe nämlich gerade schon ein anderes Buch. Eine Biographie! Ich schreibe über mich, weil ich mich am besten kenne und mein Leben auch spannend genug ist. Klar macht das jeder. Aber ich schreibe aus der Sicht von meinem Hund Sigmund Jähn. Gerade beobachtet er mich, wie ich mit meiner Schaufel im Kindergarten Stefanie hinterher renne, weil sie meine Herr-der-Ringe-Burg kaputt gemacht hat. Sigmund Jähn weiß aber noch nicht, dass ich die Schaufel gleich nach der bescheuerten Stefanie schmeiße!

Mann, wird das ein Erfolg!

2 Gedanken zu “Ich bin Schriftsteller.

Gib hier reichlich Senf dazu!

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