Eingeschnappt mit Streichhölzern 

Im letzten Beitrag schrieb ich, Berlin würde kochen. Das war vielleicht nicht ganz treffend formuliert. Berlin grillt lieber! Es grillt Fleisch in Parks, Würstchen auf Grünflächen, und Grillgemüse versteckt auf begrünten Hinterhöfen. Berlin liebt diese Köstlichkeiten!
Sie liebt sie, doch eine Sache grillt die Stadt noch lieber, als alles sonst auf der Welt.
Berlin grillt Dinge, die Berlin nicht in den Kram passen. Läuft das eigene Restaurant schlecht? Laden grillen und Versicherung kassieren. Läuft das Restaurant gegenüber zu gut? Laden grillen und Eigenumsatz steigern. Schnauze voll von Nachbars Lumpi? Der wird hoffentlich in Ruhe gelassen!
Die Tradition der Problembeseitigung durch Brandbeschleuniger scheint keine Grenzen zu kennen.

Das Flaggschiff dieser Aktion ist und bleibt dabei jedoch das Grillen von Fahrzeugen aller Art. Schaut man sich nur mal die Übersicht auf www.brennende-autos.de an, wird einem erst das ganze Ausmaß bewusst. Neben “politischen Statements” von abgefackelten Bonzen-Karren werden auch kleinste Klapperkisten Opfer der Grillwut. Für mich ein eindeutiges Zeichen, dass der Berliner auch in persönlichen Meinungsverschiedenheiten mitunter nachdrücklicher argumentiert. Der Blick auf die Karte lässt mich außerdem immer wieder verwundert zurück. Bei dieser Masse an brennenden Autos müsste die Stadt doch wirken wie in einem 80er Jahre Endzeit-Film.
“Los Angeles. Das Jahr 2003! Die ganze Stadt ist umzäunt. Ein Hochsicherheitsgefängnis für den Abschaum der Gesellschaft. Es gilt das Recht des Stärkeren. Doch nicht mehr lange. Ein neuer Sheriff ist in der Stadt…”
Keine Spur davon! Ich habe in meinen acht Jahren Berlin noch kein einziges Auto brennen sehen. Noch nie traf ich auf Menschen, die verdächtig vor BMWs rumlungerten und nervös am Feuerzeug spielten. Einfach verrückt!!!

Vielleicht befriedigt die nahe Zukunft ja endlich meine Sensationsgeilheit. Die Grill-Profis werden immer dreister. Gestern brannte in Lichtenberg ein Polizei-Fahrzeug auf dem Hof des Polizei-Geländes. Zwar kann ich solche Gewaltakte nicht begrüßen, aber meinen Hut ziehe ich trotzdem. Der herrlichen Dreistigkeit wegen. Wer sagt, Franzosen wären hart beim Demonstrieren? Die können sich eine Scheibe von den Berliner Krawallbrüdern abschneiden. Der gesunde Menschenverstand zwingt mich natürlich zum Verurteilen solcher Wege. Zeug abfackeln ist kein Spaß und trifft zu oft die Falschen! Würden die Jungs den Scheiß lassen und nur 50% ihrer Energie in sinnvolle Politikmache stecken, könnte man schon ordentlich Mist aus dem System kehren.

Trotzdem: Ich frage mich mit der Faszination eines Kindes für das abenteuerliche Piratenleben, ob und wann wohl der erste S-Bahn-Waggon zum röstenden Ventil der Unmut bestimmt wird. Sicher keine schlechte Idee, sich schon mal die Domain www.brennende-bahnen.de zu registrieren.

Gib hier reichlich Senf dazu!

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