In der Zeitblase 

Die nicht vorhandenen Zeiger der digitalen Uhr schmeißen ihre Stumpen auf 17 Minuten nach Zwei. In mir steigt langsam die begründete Angst auf, mit dem Kunststoff meines Büro-Stuhls zu verwachsen. Ich könnte mich im Kreis drehen. Der Stuhl macht das mit. Ob meine Chefin davon begeistert wäre, lässt sich allerdings noch nicht einschätzen. Mein Zweiter Blick auf die Zeit lässt mich stutzen. 14:17?! Hatten wir das nicht schon? Beharrlich weigern sich die elektronischen Ziffern, Platz für ihren Hintermann zu machen. Die Zeit denkt gar nicht daran, zu vergehen. Panisch klicke ich mich durch alle Internet-Seiten, die mir einfallen. Dritter Blick: 14:20? Feierabend ist doch aber erst um halb sechs! Was soll das? Seit wann dürfen Minuten so faul sein? Wieso achtet noch keine Behörde auf das stetige Voranschreiten der Zeit? Ich möchte Einstein die Schuld zuschieben, ohne genau zu wissen, wieso. Die Zeit soll ja langsamer vergehen, wenn man sich langweilt. Und schneller, wenn man Spaß hat. Das mag stimmen. Heute ist es aber etwas anders. Zugegeben, ich langweile mich. Aber ein so enormes Maß an Langeweile kann ich gar nicht aufbringen, so beschissen langsam wie der Feierabend näher kommt!
Das war auch schon gestern so. Aus acht Stunden wurden gefühlte acht Monate. Sobald ich dann die Agentur verließ, ratterten die Getriebe der Chronografen im Rauschzustand. Ganz so, als müssten sie nach all dem Trödeln alle anderen Uhren wieder einholen. Kurz mal ein und ausgeatmet und schon lag die Nacht über meiner Verwunderung.
Auch heute wird es so geschehen. Ich renne raus und Swooooooshhh!!! – ist der Tag vorbei.
Es gibt nur eine logische Erklärung: Mitten im Mediengestalter-Büro kam es aus rätselhaften Gründen zu einer Zeit-Anomalie. Eine Zeit-Blase gewissermaßen, in der sich die Dinge von außen betrachtet im Schneckentempo bewegen. Hier drinnen verstreicht die Zeit nicht. In Eurer Welt rast sie dafür viel zu schnell. Oh ja, ich bin ein Opfer kosmischer Launen! Verdammt dazu, bis in alle Ewigkeit Spielball von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu sein. Physiker aller Erden befreit mich von meinem Schicksal!
Bringt mich nach Hause!

Gib hier reichlich Senf dazu!

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