Der König ist gefallen 

Jackson

Artus starb im Kampf gegen Mordred. Er siegte doch unterlag seinen Verletzungen. In der Legende geleiteten drei Priesterinnen den sagenumwobenen König auf die “andere Seite” zur Insel Avalon. Von dort kehrte er nie zurück. Seine Unsterblichkeit jedoch manifestierte sich in unzähligen Geschichten von Heldentaten und den Rittern der Tafelrunde.
Die geschichtliche Figur Artus könnte es nie gegeben haben. Und doch ist sein Vermächtnis unvergessen. Schon im Mittelalter erzählte man sich vom Königreich, in dem der Herrscher nicht als Tyrann, sondern mit gewöhnlichen Rittern am runden Tisch sitzend als ein Symbol für die Gleichheit und Brüderlichkeit auftritt. In der heutigen Demokratie mag dieser Urgedanke der Legende fast vergessen sein. Die Legende selbst gehört hingegen nicht nur in England längst zur Kultur.

In der vergangenen Nacht, am 25.06.2009 um genau 21.21 Uhr erlag Michael Jackson, der King Of Pop einem Herzleiden. Wie Artus starb er im Kampf gegen seine Dämonen. Wie bei Artus kamen diese Dämonen aus der eigenen Familie. Nachdem er als Teil der Jackson Five zu Ruhm kam, startete Jackson im Alter von 13 Jahren seine Solo-Karriere mit der Single “Got To Be There/ Maria”. Ein Jahr später folgte bereits der erste Nummer-1-Hit “Ben/ You Can Cry On My Shoulder”.
Was heute bei den Kinderstars der Generation Highschool-Musical zunehmend kritischste beäugt wird, interessierte zu Beginn der 70er scheinbar niemanden. Jackson geriet völlig selbstverständlich in die Mühlen von Presse und Musik-Industrie. Warum seine Eltern dabei zusahen, wie die glückliche Kindheit eines normalen Jungen gegen Ruhm, Reichtum und Isolation eingetauscht wurde, kann nur vermutet werden. Mir fällt schwer, sie nicht zu dämonisieren. Zugegeben, es war auch in den 70ern noch nicht selbstverständlich, dass afroamerikanischen Künstlern solcher Erfolg zuteil wurde. Vielleicht wollten sie nur das Beste für Ihr Kind. Andererseits bedarf es keiner besonderen Intelligenz, um zu begreifen, dass die Kindheit selbst das Beste für ein Kind ist. Vielleicht wollten sie also doch nur das Beste VON ihm.
Jacksons Erfolg als Musiker stand jedenfalls bald in direkter Verbindung zu seinem Misserfolg als Mensch. Mit “Thriller”, dem Album das heute mit 108 Millionen Tonträgern das meistverkaufte Album der Welt ist, krönte sich Jackson selbst zum King Of Pop. An ein annähernd normales Leben war da längst nicht mehr zu denken. Wo Jackson auftauchte schnürte sich ein komplettes Universum um ihn. So sah für ihn die Realität aus!

Der Rest der Geschichte ist bekannt: Tournee-Rekorde, Verkaufsrekorde, Superlativen und eine vermeintliche Hautkrankheit, die ihm den Spiegel seines Inneren auf das Gesicht brannte.
Verkrüppelt von Ehrgeiz und Familie traten die Wunden langsam nach außen.
Der Stern verblasste, wurde zunehmend sonderbarer. Das Volk verlor seine Begeisterung und das Missverständnis wuchs. Jackson, der sich mehr und mehr nach Familie, Liebe und der verlorenen Kindheit sehnte, stürzte von seinem brüchigen Thron.
Der heutigen Generation erscheint Jackson sicher als ein “Freak Of Nature” mit Peter-Pan-Komplex. Sie haben nicht “Thriller” vor Augen, sondern fragwürdige Gesichts-Operationen und sonderbares verhalten. Nicht einen König, sondern einen Pädophilen, der seine Kinder weit aus dem Fenster eines Hotel-Apartments hält. Dass Jackson die moderne Pop-Welt nach seinem Belieben formte und den Weg für all die Justin Timberlakes da draußen ebnete wird gern vernachlässigt.

Artus und Jackson mögen gleichermaßen ruhmreich gewesen sein. Das Ende des King Of Pop scheint in diesen Stunden jedoch vergleichsweise tragischer, lag er doch bis zu seinem Tod im Gläsernen Käfig der Öffentlichkeit. Auch das letzte Foto von ihm, es zeigt ihn aufgebahrt mit geschlossenen Augen und Schlauch im Mund, wurde sicher profitabel verkauft. Ausgeschlachtet bis in den Tod.

Hoffen wir, dass er auf einer anderen Seite endlich seine Kindheit findet!

Gib hier reichlich Senf dazu!

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